Warum Regatta auch als Fahrtensegler Spaß machen kann

Am vergangenen Sonntag, dem 10.05.2026, hieß es auf der Kieler Innenförde wieder: Start frei zum Fördeauftakt.

Gemeinsam organisiert vom SVK und dem Segelclub Baltic ging es bei bestem Regattawetter auf klassische Up-and-Down-Kurse – also genau die Sorte Regatta, bei der man entweder mit breitem Grinsen oder leicht verzweifeltem Blick zurück in den Hafen kommt. Meistens beides gleichzeitig.
 
Besonders spannend war in diesem Jahr allerdings nicht nur das Geschehen auf dem Wasser, sondern auch das Signal dahinter.
 
Bereits im Winter hatten wir als SVS zahlreiche Kieler Vereine eingeladen, um gemeinsam darüber zu sprechen, wie wir Regatten wieder attraktiver machen und mehr Segler für Veranstaltungen begeistern können. Denn eines wurde in den letzten Jahren immer deutlicher: Wenn wir dauerhaft volle Startlinien wollen, müssen wir Regattaangebote breiter denken.
 
Nicht nur für eingefleischte Racer.
 
Sondern auch für Fahrtensegler. Für Regatta-Neulinge. Für Crews, die Lust auf sportliches Segeln haben, aber nicht gleich mit Carbon, Protestflagge und Puls bei 180 unterwegs sein möchten.
 
Genau deshalb haben wir beim Förde Lights Cup bereits vor zwei Jahren den Cruiser-Kurs eingeführt. Ein Angebot, das bewusst einfacher, lockerer und zugänglicher gestaltet wurde – ohne dabei den sportlichen Charakter zu verlieren. Und siehe da: Das Konzept funktioniert.
 
Oder anders gesagt: Der Markt entscheidet.
 
Und genau dieser Gedanke scheint nun langsam auch bei anderen Veranstaltern anzukommen. Denn beim diesjährigen Fördeauftakt gab es erstmals ebenfalls ein separates Cruiser-Angebot.
 
Natürlich mussten wir da Präsenz zeigen und gingen vom SVS mit der „Match“ an den Start – Stephan als Skipper, ich als Vorschoter. Und die Zahlen sprechen eigentlich für sich:
 
Während auf dem Racer-Kurs zehn Boote starteten, waren beim Cruiser-Kurs stolze 19 Boote gemeldet.
 
Neunzehn!
 
Für ein Format, von dem manche vor gar nicht allzu langer Zeit noch überzeugt waren, dass „das doch keine richtige Regatta“ sei.
 
Der Kurs selbst war bewusst einfacher gehalten, inklusive Känguru-Start. Aber wer glaubt, dass deswegen weniger Ehrgeiz an Bord herrschte, hat vermutlich noch nie Fahrtensegler erlebt, die plötzlich merken, dass das vorausfahrende Boot langsam eingeholt werden kann.
 
Da wurde gerechnet, taktiert, aufgeholt, verteidigt und geflucht – natürlich alles vollkommen entspannt und kameradschaftlich. Also jedenfalls meistens.
 
Genau so muss Segeln sein.
 
Leider bestand das Cruiser-Feld fast ausschließlich aus Booten des veranstaltenden Vereins. Und genau da liegt aus meiner Sicht die große Chance für die kommenden Jahre: Wenn sich dieses Angebot weiter herumspricht, können daraus wieder richtig lebendige Regatten entstehen – vereinsübergreifend, offen und attraktiv für deutlich mehr Segler als bisher.
 
Entsprechend habe ich die Gelegenheit nach der Siegerehrung natürlich genutzt, auch ein wenig Werbung für unseren Förde Lights Cup zu machen. Denn genau dort wollen wir traditionell am ersten Samstag im September möglichst viele Cruiser-Crews aus möglichst vielen Vereinen begrüßen.
 
Und sportlich?
 
Nun ja.
 
Am Ende wurden Stephan und ich mit der „Match“ glückliche Zehnte. Wobei „glücklich“ dabei durchaus ernst gemeint ist. Wir hatten unterwegs ein paar technische Herausforderungen, waren zwischenzeitlich mehr mit Improvisation als mit Performance beschäftigt und haben dann auch noch eine der vorletzten Tonnen falsch herum gerundet.

Die Segelanweisungen vollständig zu lesen wäre eventuell hilfreich gewesen.
 
Zum Glück wurden wir allerdings von einem anderen Boot darauf aufmerksam gemacht, dass wir die Tonne falsch herum gerundet hatten. Als wir sofort abdrehten, um unsere Ehrenrunde nachzuholen, kam sogar noch völlig entspannt hinterher: „Ist doch egal, Ihr habt doch gerundet. Wir hätten Euch nicht verpfiffen.“
 
Fairer und kameradschaftlicher kann Regattasport eigentlich kaum sein.
 
Aber am Ende gilt eben auch auf dem Wasser:
Die Regelz sind die Regelz.
 
Also nochmal zurück, Ehrenrunde drehen und weiter geht’s. Dummheit muss schließlich auch im Segelsport ordentlich bestraft werden.
 
Aber genau das macht solche Veranstaltungen eben auch aus: Man nimmt sich nicht zu ernst, sammelt Erfahrungen, lacht später im Hafen darüber – und fährt mit dem Gefühl nach Hause, einen richtig guten Tag auf dem Wasser gehabt zu haben.
 
Und deshalb unser Appell an alle Fahrtensegler, Regatta-Neulinge und alle, die schon immer mal teilnehmen wollten: Traut Euch!
 
Regatta bedeutet heute längst nicht mehr nur verbissenen Hochleistungssport und kaputtes Material. Oft bedeutet es einfach einen großartigen Tag auf dem Wasser, neue Kontakte, gemeinsames Segeln und am Ende ein kühles Getränk im Hafen.
 
Der SVS setzt seit zwei Jahren bewusst auf genau diesen Gedanken: Cruiser willkommen.
 
Also hisst die Segel, schnappt Euch Eure Crew und kommt zum Förde Lights Cup. Oder meldet Euch einfach mal bei einer der nächsten Regatten oder bei einer der Mittwochsregatten einfach mal an.

Denn manchmal ist Dabeisein tatsächlich mehr wert als jeder Platz auf dem Treppchen.
 
Björn Willnat
Vorsitzender des SVS Kiel