Elektro statt Diesel

ein Rückblick nach einer Saison

Manchmal braucht es nur den Mut, etwas anders zu machen. Als unser alter Volvo Penta nach 40 treuen Jahren an Bord der Hilde endgültig seinen Dienst quittierte, standen wir vor der großen Frage: Neuer Diesel oder ein Schritt in die Zukunft? Wir haben uns entschieden – für Strom statt Sprit, für leises Surren statt Dieseldunst.

Warum eigentlich Elektro?

Natürlich wird man bei so einer Entscheidung erst einmal zum Rechenkünstler: Kosten, Leistung, Zuverlässigkeit – alles muss passen. Doch am Ende war klar: Der finanzielle Aufwand wäre bei einem neuen Diesel kaum geringer gewesen. Also warum nicht den Weg gehen, der sauber, wartungsarm und zukunftsorientiert ist?

Der neue Motor: ein epropulsion E-Pod 6 mit umgerechnet 9,9 PS – also 2 mehr als der Diesel. Die große Frage: Reicht das, um unsere 2,5 Tonnen Hilde sicher durch Wind und Welle zu bringen – und wie weit kommt man eigentlich damit?

Der Umbau – von Ölgeruch zu sauberer Stille

Der Start war… sagen wir: „handfest“. Zuerst musste der alte Diesel raus – und das war höchste Zeit. Öl an allen Ecken, alte Leitungen, alles marode. Gemeinsam mit unserem Liegeplatznachbarn Stephan Redecker, der bei epropulsion arbeitet und seine eigene Match auch von Welle umrüsten wollte, ging’s an den Umbau.

Auch Bengt Haltenhof mit seinem Segelshop Segelkram war eine unschätzbare Hilfe: Er zeigte uns, wie man richtig laminiert – denn wo einst der Saildrive steckte, klaffte nun ein Loch im Rumpf. Nach einigen Stunden mit Harz, Glasfaser und Geduld war die Hilde wieder dicht – und schöner als zuvor.

Und weil wir schon mal dabei waren, bekam das Unterwasserschiff gleich eine komplette Frischzellenkur. Eine Arbeit, die man keinem Feind wünscht – aber am Ende war klar: Das lohnt sich.

Einbau mit Herzklopfen

Im Februar war es soweit: Der Einbau des E-Pods stand an. Das alte GFK rund um den Saildrive machte den neuen Einbau zwar knifflig, aber nach ein paar Stunden Flexen, Bohren und viel Staub war alles bereit. Zwei Akkus à 40 Kilo fanden ihren Platz dort, wo früher der Diesel stand.
Steuergerät und Ladeeinheit wurden angeschlossen – und dann kam der Moment der Wahrheit:

Ein leises „Surren“ – und die Schraube drehte sich. Kein Gestank, kein Lärm, nur pure Effizienz.

epropulsion motor einbau

Erste Fahrt – die Stille auf dem Wasser

„Hat der einen Wumms!“ – das waren meine ersten Worte, als wir das erste Mal Gas gaben. Der Schub war sofort da, der Motor reagierte direkt, und das fast lautlos. Ein völlig neues Gefühl auf dem Wasser.

Natürlich kam gleich die Standardfrage: „Wie weit kommt man damit?“
Antwort: Weit genug, um in den Hafen zu kommen.
Mit unseren zwei Akkus können wir bei rund 4,5 Knoten Marschfahrt 4 bis 5 Stunden surren – also gute 20 Seemeilen. Für die Ostsee mehr als ausreichend, schließlich sind wir Segler – keine Motorbootfahrer.

Ein Beispiel: Auf dem Rückweg von Grena schlief der Wind ein. Nach drei Stunden leisen Dahingleitens liefen wir entspannt in Øer ein – und hätten locker noch Ebeltoft erreicht.

Kraft gegen den Wind

Hilde

Und bei Gegenwind? Auch das klappt. Bei 6–7 Bft von vorn aus Ebeltoft raus kamen wir mit rund 2 Knoten voran – nicht schneller als mit einem Diesel, aber deutlich angenehmer.

Denn der E-Motor ist sofort da, kein Vorglühen, kein Warten. Einfach Hebel umlegen – und los.

In Notsituationen, etwa wenn man vor Berufsschifffahrt oder in Flaute ausweichen muss, ist das ein riesiges Sicherheitsplus.

Fast wartungsfrei – und das mit gutem Gewissen

Seit dem Umbau haben wir keine Ölwechsel, keine Dieselpest, keine Filterprobleme und kein Einwintern mehr. Wartung? Einmal Opferanode wechseln, fertig. Und das Beste: Wir fahren emissionsfrei und tragen damit aktiv zum Schutz unseres Reviers bei.

Die Blueboat Alliance – Gemeinsam emmisionsfrei auf Kurs

Vielleicht ist es euch schon aufgefallen: Auf Hilde und der Match prangt ein Aufkleber der Blueboat Alliance. Die Idee dahinter: Seglerinnen und Segler mit Elektromotoren sichtbar machen – als Community für umweltbewusstes, leises und sauberes Segeln. Ein Netzwerk zum Austausch, für gemeinsame Events und als Zeichen: Wir übernehmen Verantwortung – auf dem Wasser und für die Zukunft. Noch steckt das Projekt in den Kinderschuhen, aber die Richtung stimmt: elektrisch, sauber, gemeinsam.

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Fazit nach einer Saison

Nach einer Saison können wir sagen: Der Umstieg hat sich gelohnt – in jeder Hinsicht. Für 99 % der Segler reicht ein Elektromotor vollkommen aus: zum Aus- und Einlaufen, für Flauten und Sicherheit. Und mal ehrlich – wer wirklich große Strecken unter Motor zurücklegt, sollte vielleicht ohnehin über ein Motorboot nachdenken.

Wir jedenfalls sind begeistert – von der Ruhe, der Einfachheit und dem Gefühl, etwas richtig gemacht zu haben. Die Hilde surrt – und wir lächeln jedes Mal, wenn wir den Hebel umlegen.

Wer mehr erfahren oder selbst den Schritt wagen möchte:

Sprecht unseren E-Spezialisten Stephan Redecker von der Match (Steg 2 in Dietrichsdorf) an.

Er hilft gern mit Erfahrung, Know-how und Begeisterung weiter.

Björn Willnat
Skipper Wilde Hilde

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